Myanmar: Wanderung von Kalaw zum Inle See

Kalaw zum Inle See

Die Wanderung von Kalaw zum Inle See stand für meinen Reisebuddy John und mich ganz oben auf der To-Do Liste. Dafür mussten wir aber erst einmal einen Weg aus Yangon finden. Und das war längst nicht so einfach wie gedacht.

Mit dem Bus von Yangon nach Kalaw

Niemand konnte uns so richtig sagen, wie wir am besten zum Inle Lake kommen würden. Fliegen kam für uns nicht in Frage. Wir wollten ja schließlich etwas von dem Land sehen. Nach etwas Recherche fanden wir heraus, dass es möglich war mit einem Bus über Nacht nach Kalaw zu fahren und von dort aus mehrere Tage zum zweitgrößten See des Landes zu wandern. Gesagt getan. Wir packten unsere Rucksäcke und nahmen am späten Nachmittag ein Taxi zur Busstation.

Nachdem ich schon wirklich viel in Asien gesehen hatte, war dieser Ort eine völlig neue Art der Überforderung. Überall waren Menschen, Essensstände und so endlos viele Busse auf endlos großer Fläche, dass wir ohne Hilfe wohl Tage gebraucht hätten, um uns zu orientieren. Selbst unser Taxifahrer musste mehrmals halten und nach dem Weg zum richtigen Bus zu fragen. Letztendlich setzte er uns vor einem Büro, also einer umfunktionierten Garage mit ein paar Bussen davor, ab. John und ich kauften unsere Tickets und verbrachten die Wartezeit damit die Essensstände in der Umgebung zu erkunden.

Unweit vom Bus entschieden wir uns noch eine kleine Mahlzeit zu uns zu nehmen. Bedient wurden wir von dem wohl schlecht gelauntesten Teenager Myanmars. Er fand es immerhin sehr belustigend, dass wir nichts auf dem Menü verstanden und einfach auf irgendetwas in der klebrigen aber immerhin existierenden Karte zeigten. Kurz darauf servierte er uns dann einfach nur einen Teller voller Bohnen. Beim zweiten Versuch lief das ganze schon besser und uns wurde ein Nudelgericht serviert. Wir genossen das Essen, während der viel zu junge Chef permanent alle Mitarbeiter und Gäste anschrie. Vielleicht war es ganz gut, dass wir nicht alles verstanden haben, ich bin mir recht sicher, dass wir nicht gut abgeschnitten hätten.

Wanderung von Kalaw zum Inle See
Der Beginn unserer dreitägigen Wanderung bei Sonnenaufgang

Eine etwas andere Busfahrt

Zurück zum Bus. Auch dieser war anders als erwartet. Die Sitze waren sehr gemütlich und ähnelten eher Sesseln, die man zurückklappen konnte. Geziert war alles mit bunten Mustern, die nicht zusammenpassten und Spitzendecken. Der Geruch erinnerte an Schweiß, Motten und das Wohnzimmer eine sehr alte Dame, das nie gelüftet wird. Insgesamt spiegelte das Design des Busses ziemlich genau wider, wie ich mir die 70er Jahre vorstelle.

Die Nacht wäre gar nicht mal so schlecht verlaufen, wenn da nicht die penetrante Discobeleuchtung in allen Farben gewesen wäre oder die laute einheimische Musik, die aus den Lautsprechern dröhnte. Zu unserer Verwunderung gab es aber sogar ein Snackpaket, Wasser, Decken, und Kissen, von denen ich nicht hinterfragt habe, wann sie zuletzt und ob sie überhaupt schon einmal gewaschen worden waren. Die ersten Stunden wurden wir praktisch nur von allen anderen Mitfahrenden angestarrt. Zwischendurch hielt der Bus an riesigen Rastplätzen, bei denen in einer großen Halle allerlei Essen zu finden war, sowie dutzende von Toiletten. Die Straßen waren überraschend gut betoniert. Insgesamt war es doch eine recht angenehme Fahrt, sobald die Musik leiser und das Licht ausgeschaltet wurde.

Herzlich Willkommen in Kalaw

Unser Bus hätte eigentlich am Morgen in Kalaw ankommen sollen. Der Busfahrer weckte uns aber schon um 3.30 Uhr um uns mitzuteilen, dass wir schon da waren. Großartig. In der Dunkelheit wurden wir am Straßenrand von einem Dorf inmitten von Myanmar abgestellt – im Halbschlaf und frierend. Erst einmal hieß es also lange Kleidung im Rucksack zu finden.

In Gegenden wie dieser ist so etwas wie Straßenbeleuchtung nichts Gewöhnliches, sodass wir so gut wie nichts erkennen konnten. Schilder sind auch eine Utopie vor allem in englischer Sprache. Immerhin hatten wir schon ein Hotel gebucht und versuchten dieses mit Hilfe von den Karten auf unseren Handys zu finden. Gelegentlich wurden wir von bellenden Hunden verfolgt aber nach einer kleinen Wanderung hoch auf einen Hügel am Rande des Dorfes erreichten wir unsere Unterkunft für die nächsten zwei Nächte. Der Opa des Hauses war schon wach, verstand zwar kein Wort, dass wir sagten, aber bat uns in die Küche hinein, wo wir versuchten, noch ein paar Stunden Ruhe auf einer Holzbank zu finden.

Kalaw zum Inle See
Der Verkehr auf dem Weg von Kalaw zum Inle See

Eine überraschend gute Unterkunft mit noch besserem Frühstück

Das nächste Mal, als wir geweckt wurden, war deutlich liebevoller als von unserem Busfahrer. Die Besitzer der kleinen Unterkunft baten uns ein Frühstück an, dass wir dankend annahmen. Nach Monaten in Südostasien war dies das absolute Highlight. Es gab frisch gebackenes Sauerteigbrot, Bananenbrot, selbstgemachte Marmelade, Kaffee, Tee und natürlich die üblichen Begleiter eines jeden Frühstücks in der Region: Reis und Eier. Ich habe noch heute, Jahre später, genau im Kopf wie lecker das Brot war und hätte in der Retrospektive hier wohl deutlich mehr Zeit verbringen sollen (und mir vielleicht etwas von dem leckeren Brot einpacken sollen).

Im Tageslicht sah alles schon ganz anders aus. Zu unserer Verwunderung erinnerte das Haus eher an eines in den österreichischen Alpen als an eines der Region. Der Garten war absolut phänomenal. Hier blühte alles, was man sich nur vorstellen kann. Bananenstauden, Blumen und Palmen, wohin man nur blickte – umgeben von einer bergigen Landschaft. Ein recht irritierendes Bild, wenn man bedenkt, wie das Haus aussah.

Unser Zimmer konnten wir glücklicherweise auch direkt beziehen und auch das übertraf unsere Vorstellungen. Sehr urig und gemütlich und vor allem sauber und sogar mit einer warmen Dusche ausgestattet.

Organisation: Wanderung von Kalaw zum Inle See

Den Tag verbrachten wir damit die Umgebung zu Fuß zu erkunden. Das Örtchen war wirklich sehr süß. Ein kleiner Markt, viele kleine Läden und einfach super herzliche Menschen wohin man nur ging. Der Rest des Tages wurde im Garten verbracht. Die Auszeit kam wie gerufen, nachdem wir den Großteil der letzten Wochen in Städten voller Lärm und Abgasen verbracht hatten.

Unser zweiter Tag in Kalaw verlief da schon deutlich stressiger. Zunächst einmal hatten wir uns vorgenommen die verschiedenen Anbieter von Wandertouren zum Inle Lake abzuklappern. Zugegebenermaßen war das sehr überschaubar. Letztendlich entschlossen wir uns die einzige Tour zu buchen, die anbot, einen der Tage auf einem Mountain Bike zu absolvieren. Der Besitzer schloss daraufhin seinen Laden, wir sprangen in sein Auto, mit dem er uns zu seinem Haus chauffierte, wo wir verschiedene Räder testen durften. Nachdem wir uns jeweils eins ausgesucht hatten sowie passende Helme fuhr er uns zurück.

Die schlechteste Idee der Reise (bis zu diesem Zeitpunkt) ließ nicht lange auf sich warten. Für den Nachmittag mieteten wir uns Fahrräder, um die Gegend zu erkunden. Unser Ziel war ein Café, dass einige Kilometer entfernt gelegen war. Ohne Gangschaltung war es schlichtweg unmöglich die Berge hinaufzufahren, weshalb ich mein Rad schob während John mich hauptsächlich auslachte. Immerhin war der Ausblick wirklich gut und der Kaffee lecker. Auf dem Weg nach unten stellte ich dann fest, dass auch meine Bremse nicht funktionierte. Somit versuchte ich immer mal wieder mit meinen Füßen auf dem Boden bei den steilen Strecken zumindest etwas an Geschwindigkeit zu verlieren. Immerhin habe ich daraus gelernt immer erst das Fahrrad zu testen, bevor ich es mir leihe!

Kalaw zum Inle See
Es ging quer über die Berge, entlang an Teeplantagen

Die Wanderung von Kalaw zum Inle See startet

Unsere Wanderung startete früh am nächsten Morgen. Treffpunkt war das kleine Büro der Firma. Glücklicherweise gab es die Möglichkeit unser Gepäck bis zum Inle Lake fahren zu lassen, sodass wir unsere großen Backpacks nur bis ins Dorf hinuntertragen mussten. Dort angekommen trafen wir auf unseren Guide für die nächsten drei Tage. Eine junge Frau, mit traditioneller Bemalung aus Thanaka-Paste im Gesicht, geflochtenen Haaren, einem Strohhut auf dem Kopf und einem recht modernen Wanderoutfit. Ihr Englisch war recht passabel. Sie erzählte uns so einiges über die Gegend und versuchte immer zu übersetzen wenn es ging.

Stundenlang ging es an Tag eins über Berge, durch Wälder, an Teeplantagen, Chillifeldern und Bauernhäusern vorbei. Aber auch die Pausen kamen nicht zu kurz. Zum Mittag stoppten wir am höchsten Punkt eines Berges, wo eine kleine Hütte war, in der eine Familie lebte und eine Art Restaurant betrieb. Wir setzen uns bei bestem Wetter an einen Tisch im Schatten und aßen allerlei Köstlichkeiten aus der Region, während unsere Blicke über die Berge schwebten. Zugegebenermaßen hatten wir niemals mit solch einem Menü während unserer Wanderung gerechnet.

Kalaw zum Inle See
Harte Arbeit: Das Pflücken von Chilischoten

Die erste Nacht fernab der Zivilisation

Rechtzeitig, bevor die Sonne unterging, erreichten wir ein Dorf, in dem wir Unterschlupf fanden. Und zwar nicht in einem Hotel, sondern bei einer Familie zu Hause. Sie hatten einen ihrer Lagerräume im Erdgeschoss ihres Bauernhauses als Gästezimmer umfunktioniert. Über einem Stapel von Reissäcken war eine Art Bettgestell aufgebaut. Zwar gab es keine richtige Matratze, aber immerhin genügend Decken für die kalte Nacht. Die Küche des Hauses war eine offene Feuerstelle neben dem Haus. Hier bereitete unsere Gastgeberin schon fleißig unser Abendessen vor während ein paar Katzen immer wieder versuchten etwas davon zu ergattern, wenn sie nicht aufgepasst hat.

Das Badezimmer war ebenfalls draußen. Drei Mauern ohne Dach mit einem Vorhang an der offenen Seite. Die Dusche war eine Wanne mit eiskaltem Regenwasser und einer Kanne. Wäre ich nicht so durchgeschwitzt und voller Staub gewesen, hätte ich gerne auf diese Wäsche verzichtet.

Die überraschenden Hobbys der Dorfbewohner in Myanmar

Bis zum Essen saßen wir an der Straße und beobachten das rege Treiben. Kinder spielten eine verrückte Sportart, bei der sie versuchten, einen kleinen Bambusball in der Luft zu halten. Das Spielfeld war etwa so groß wie ein Badminton Feld. Zwei Teams spielten gegeneinander über ein in etwa 1,50 Meter hohes Seil, was das Netz darstellen sollte. Es war wirklich verblüffend zu sehen, wie gut sie den kleinen Ball kontrollieren konnten, wie akrobatisch sie hochsprangen und versuchten Punkte zu ergattern.

An diesem Abend lernten wir auch, dass Sportwetten in Myanmar sehr beliebt sind. Lustigerweise auf europäische Fußballspiele. Das erklärte auch warum viele Kinder schlechte Trikotimitate von Messi, Ronaldo & Co trugen. Ein Mann mit einem Moped durchs Dorf fuhr, dort die Wetten annahm und einige Tage später dann mit dem Gewinn wieder kommen würde. Das Verrückteste dabei war, dass es hier nicht einmal wirklich Strom gab, geschweige denn Fernseher und vor allem internationale Kanäle. Die Leute mussten sich also vollkommen auf das verlassen, was der Mopedfahrer ihnen erzählte.

Kalaw zum Inle See
So sieht Shopping in den Dörfern von Myanmar aus.

Tag 2 der Wanderung von Kalaw zum Inle See

Der zweite Tag unserer Wanderung verlief ähnlich wie der Erste. Stundenlang ging es Berge auf und ab, durch Täler und durch viele Felder. Wir schauten uns ein buddhistisches Kloster an, das auf dem Weg lag und hatten das Glück während der morgendlichen Begrüßung an einer kleinen Schule vorbeizukommen. Die Kinder standen mit ihren weißen Oberteilen und grünen Röcken oder Hosen aufgeteilt in Klassen und in perfekten Reihen vor dem Gebäude. Eine Lehrerin sprach und danach sangen alle gemeinsam ein Lied, bevor es in den Unterricht ging.

Das Schulsystem Myanmars ist übrigens sehr ähnlich im Vergleich zum Britischen. Die Aufteilung der Klassenstufen wurde in der Kolonialzeit übernommen. Es gibt also Kindergärten, Grundschulen, Mittelschulen, eine Highschool und dann gibt es die Möglichkeit an einer Universität zu studieren. Mit der britischen Herrschaft wurde Frauen auch die Möglichkeit eröffnet am Bildungswesen teilzunehmen. Eine Pflicht zur Schule zu gehen, gibt es übrigens nur bis zum Ende der Grundschule, also etwa bis zum zehnten Lebensjahr.

Die zweite Nacht im Dorf

Die zweite Nacht unserer Wanderung bot noch einmal ein ganz neues Erlebnis. Dieses Mal durften wir sogar im zweiten Stock, also in der Wohnung der Familie schlafen und kamen nicht im Lagerraum unter. Unter einem Schrein waren Matten ausgelegt und darauf zahlreiche Decken und Kissen. Der junge Sohn der Familie verfolgte uns während unseres Aufenthalts permanent und durchwühlte unsere Sachen mit der Hoffnung auf Schätze zu treffen. Außerdem schaffte er es mein Handy für mehrere Stunden zu sperren, da er den Pin zu oft falsch eintippte. Immerhin ließ es die Kamerafunktion zu Selfies zu schießen, womit er sich wunderbar beschäftigen konnte.

Auf frischer Tat erwischt!
Unser Schalfplatz für die zweite Nacht der Wanderung

Tag 3: Von Kalaw zum Inle See mit dem Mountain Bike

Der letzte Tag unserer Wanderung sollte laut unseres Guides auch der einfachste sein. Sehr früh ging es los. Unser Ziel heute war es nur auf einen Berg zu gelangen, wo uns ein Fahrer mit unseren Mountainbikes treffen sollte. Nach einer einstündigen Fahrt bergab sollten wir bereits am Inle Lake ankommen.

Wie sich herausstellte, war die Mountainbike Option die beste Wahl, die wir hätten treffen können. Wir rasten die sandigen Straßen entlang, wichen gelegentlich einer Gruppe von Büffeln aus und überholten sogar Transporter. Die Landschaft der Gegend ist wirklich atemberaubend schön. Und außerdem waren wir einfach nur froh mal einen Tag nicht von morgens bis abends auf unseren Füßen unterwegs zu sein.

Kalaw zum Inle See
Mit dem Mountain Bike ging es auf die letzte Etappe

Ist die Wanderung von Kalaw zum Inle See eine Reise wert?

Insgesamt war die Wanderung eine der schönsten Erfahrungen unserer Reise durch Myanmar. So gelang es uns die Kultur des Landes ganz anders kennen zu lernen, als wir es wohl im Bus oder mit der Bahn hätten tun können. Besonders bemerkenswert war die Gastfreundschaft, die uns immer wieder gezeigt wurde. Die Bewohner der Dörfer konnten zwar nicht wirklich mit uns reden beziehungsweise wir sie nicht verstehen, aber dennoch gab es einige lustige Momente und Situationen, sowie jede Menge Essen und Tee.

Die Wanderung hat uns auch näher gebracht wie unfassbar hart die Menschen in diesem Land für ihr Überleben arbeiten. Von früh morgens bis in die Dunkelheit wird hier körperlich schwer gearbeitet. In dieser Gegend gibt es weder Strom noch fließend Wasser und geschweige denn Maschinen, die die Ernte erleichtern. Tag für Tag arbeiten die Familien daran mit Hilfe ihrer Wasserbüffel Felder umzupflügen oder die Ernte per Hand einzusammeln.

Während wir in der Gegend waren, wurden beispielsweise gerade Chilis gepflückt. Mit riesengroßen Körben auf dem Rücken wurde jeden einzelne Pflanze auf den Feldern nach den roten Schärfelieferanten abgesucht. Jede Chili wurde per Hand gepflückt, Berge hoch und runter bis ins nächste Dorf getragen und dort getrocknet bevor sie von Transportern abgeholt worden ist. Das eröffnet einem erst wie viel Arbeit dahinter steckt, sodass wir für wenige Cent diese Güter im Supermarkt um die Ecke ergattern können.

2 Kommentare bei „Myanmar: Wanderung von Kalaw zum Inle See“

  1. […] vom Inle See sehen zu können, hatten mein Reisebuddy John und ich bereits eine dreitägige Wanderung hinter uns gelegt. Wir waren in Kalaw gestartet und wanderten viele Kilometer durch wunderbare […]

  2. […] für ein neues Abenteuer. Klar war, dass wir gerne noch einmal so etwas erleben wollten wie die Wandertour, die wir schon von Kalaw bis zum See gemacht hatten, nur eben wo […]

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