Metropole Yangon: Treffpunkt der Kulturen

Metropole Yangon: über den Dächern der Stadt

Das lange Warten aufs Visum hatte sich gelohnt: Mein Flug in die Metropole Yangon war endlich gebucht. Zusammen mit meinem guten Kumpel John saß ich im Flieger von Kuala Lumpur nach Myanmar.

Insgesamt galten unsere Aufenthaltsgenehmigungen für vier Wochen. Eingereist werden musste über einen der offiziellen Checkpoints. Das war am einfachsten, indem man sich fürs Flugzeug entschied. Es gab zwar einige Punkte an der thailändischen Grenze, an denen man als Tourist über Land einreisen durfte, darauf verzichteten wir aber. Grenzübergänge auf dem südostasiatischen Festland sind immer wieder ein charmeloses Beispiel für die gegenwärtige Korruption. Nicht nur einmal musste ich so den Beamten deutlich mehr zahlen, als es eigentlich ausgeschrieben war.

Die Metropole Yangon war das erste Ziel auf unserer vierwöchigen Reise. Eine Ahnung was uns erwarten würde, hatten weder John noch ich. Natürlich hatten wir schon so einiges gehört und wir beide waren auch schon viel in Südostasien unterwegs gewesen. Da Myanmar allerdings erst vor wenigen Jahren für den Tourismus geöffnet worden war, war es schwierig irgendwelche Informationen über das Land zu finden. Vor allem Informationen über öffentliche Transportmittel oder Touristenattraktionen fehlten uns. Außerdem sprach niemand von uns auch nur ein Wort Burmesisch.

Die Idee zur Reise in das Land der goldenen Pagoden kam uns recht spontan, daher blieb uns auch nicht viel Zeit, um einen Sprachkurs zu belegen oder viel über das Land zu lernen. Wir mussten also einfach abwarten, was auf uns zu kommt.

Metropole Yangon: Verkehr

Die ersten Schritte durch die Metropole Yangon

Immer wenn man in einem neuen Land ankommt, muss man erst einmal mit dessen Währung zurechtkommen. So auch in Myanmar wo mit Kyat bezahlt wird. Und immer bar. Ein Kyat sind umgerechnet 0,00046 Euro oder einfacher ausgedrückt: ein Euro ergeben in etwa 2.100 Kyat. Wir hatten beim ersten Geldabheben am Flughafen absolut keine Ahnung wie viel wir für was bezahlen würden müssen. Das würde sich aber schon bald zeigen.

Vom Internationalen Flughafen in Yangon fuhren wir etwa 30 Minuten bis zu unserem Hotel, welches in der Altstadt gelegen war. Vorbei chauffiert wurden wir an vielen heruntergekommenen Häusern, extrem vielen Stromleitungen, die in Deutschland mit Sicherheit nicht so hätten verlegt werden dürfen und Kästen von Klimaanlagen, die die bröckelnden Betonfassaden der Wohnblöcke zierten.

Viele Kinder waren an diesem Nachmittag in ihren Schuluniformen auf dem Rückweg nach Hause und generell wirkte die Stadt sehr belebt. Der Verkehr nahm in Richtung Innenstadt immer mehr zu bis wir endlich im Schleichtempo in einer kleinen Straße ankamen, in der sich unser Hotel befand.

Überall an den Straßenrändern lagen schlafende Hunde und Männer saßen zusammen und spielten Karten oder rauchten Zigaretten. Der Lärm war der einer Großstadt – hupende Autos, Menschen die sich unterhielten und das Summen von Stromleitungen. Die Luftfeuchtigkeit und die drückende Hitze waren zum Glück nichts Neues für uns, da wir zuvor in Malaysia waren.

Metropole Yangon: Kabel

Die ersten Erfahrungen in der größten Stadt des Landes

Unser Hotel war so wie wir es erwartet hatten. Nicht besonders luxuriös, aber immerhin recht sauber. Direkt wurde uns die Gastfreundschaft des Landes offenbart – mit einem frischen Saft beim Check-In.

Auch wenn wir recht erschöpft von der Anreise waren, ging es nach einer kurzen Pause mit hungrigen Mägen auf die erste Erkundungstour. Unser Hotel war sehr zentral gelegen, weshalb wir recht gut zu Fuß zu den größeren Attraktionen schlendern konnten. Schon in der nächsten Straße fanden wir einen nett aussehenden Straßenstand, an dem eine Frau so etwas wie Kokospfannkuchen zubereitete. Natürlich schlugen wir sofort zu und waren nicht wenig überrascht, als wir für zwei Portionen nur 400 Kyat zahlen sollten.

Nur ein kleines Stückchen weiter tanzten in einem Park Jugendliche während Kinder umher tobten und ihre Eltern sich unterhielten. Dahinter war ein riesiger Markt aufgebaut. Dutzende von Ständen mit den verschiedensten Angeboten und Gerüchen. Wir folgten den Menschenmassen hin zu den Obstständen und immer weiter bis ans Ufer des Irawadi, wo alte Elektroteile und sonstige Artikel verkauft wurden, die man bei uns eher auf dem Schrotthaufen finden würde. Dem Geruch nach zu urteilen waren wir auch nicht weit vom Fischmarkt entfernt, den wir kurz darauf antrafen. Von dort aus pendelten viele Arbeiter pünktlich zum Sonnenuntergang mit kleinen Booten über den Fluss hin zu ihren Wohnungen am anderen Ufer.

Metropole Yangon: Sonnenuntergang am Irawadi

Yangon: Die größte Metropole am Irawadi

Viele große Städte in Myanmar sind übrigens am Irawadi gelegen. Er zieht sich so gut wie durch das ganze Land und bietet vielen Anwohnern Arbeit. Sei es durch Schifffahrt, Fischerei oder Reisanbau im feuchten Mündungsdelta. Der Fluss ist auch das zu Hause von den extrem bedrohten Irawadi Delfinen. Nur noch zwischen 60 und 70 Individuen leben heute schätzungsweise dort. Der Rückgang der Spezies ist vor allem auf das Fischen mit Elektronik und der Umgang der Natur von den Arbeitern in Goldminen, die das Wasser zunehmend verschmutzen, zurückzuführen.

Das Land ist übrigens auch die Heimat anderer gefährdeter Tierarten wie beispielsweise von Tigern. Nach Indien lebt Schätzungen zufolge die zweitgrößte Population an wilden Tigern im Norden von Myanmar. In den 1980er Jahren wurden jährlich etwa 50 bis 100 Tiger getötet, um sie für die traditionelle chinesische Medizin zu nutzen und um Geld für das seltene Fell zu gewinnen. Heute werden Tiger in Myanmar geschützt. Im Jahr 2004 wurde im Norden des Landes ein Stück des Dschungels sogar offiziell als Tiger Reserve ausgeschrieben. Sie ist heute die größte ihrer Art weltweit.

Ein etwas anderer Kleidungsstil in Myanmar

Etwas, dass einem direkt ins Auge sticht, wenn man durch die Straßen schlendert, ist, dass so gut wie jeder Rock trägt. Frauen, Männer und Kinder zugleich. Dabei handelt es sich um ein großes Tuch, dass um die Hüfte gebunden wird, ähnlich wie ein Sarong. Dieser spezielle Rock wird Longyi genannt und es gibt ihn in allerlei Farben und mit verschiedenen Mustern sowie aus unterschiedlichsten Stoffen. Die Männer binden ihre Knoten nach außen während Frauen den Knoten nach innen drehen.

Dazu wird das Gesicht täglich traditionell mit einer pastellfarbenen gelblichen Paste in verschiedenen Mustern bemalt. Die Paste dient als natürliches Sonnenschutzmittel. Sie kann aus der Rinde verschiedener Baumarten gewonnen werden und heißt Thanaka. Frauen und Mädchen benutzen die Paste deutlich häufiger als Männer. Sie ist praktisch eine Art Make-Up. Übrigens ist sie auch ein guter Lieferant für Feuchtigkeit und hilft gegen Sonnenbrand. In einem Land, in dem nicht in jeder Ecke eine Drogerie zu finden ist, ein absolutes Muss!

Metropole Yangon: Tradition & Moderne

Bloß nichts vergessen, wenn es in die Metropole Yangon geht!

Apropos Drogerie. Nicht nur sind diese sehr selten – sie sind, wenn überhaupt, nur in den Großstädten anzufinden, in denen viele Ausländer angesiedelt sind. Auch so etwas wie Supermärkte oder Bekleidungsgeschäfte sind rar beziehungsweise schlichtweg nicht vorhanden. Vor der Reise sollte man besser doppelt checken, ob man alles eingepackt hat. Ansonsten könnte es sein, dass man am Ende der Reise an einem der schönsten Strände der Welt liegt, aber keine Badehose dabeihat (kommt dir das bekannt vor, John?).

Ein unvergesslicher Besuch in der Shwedagon Pagode

Wer in die Metropole Yangon kommt, muss der Shwedagon Pagode einen Besuch abstatten. Worte machen ihr einfach nicht Recht. Von der ganzen Stadt her, kann man die Spitze des goldenen Turms sehen. Immerhin ragt sie 170 Meter in die Höhe. Die Shwedagon Pagode ist das wichtigste buddhistische Bauwerk in Myanmar. Menschen aus dem ganzen Land pilgern zu ihr.

Johnny und ich verbrachten mehrere Stunden an diesem magischen Ort, bevor es wieder in Richtung Hotel ging. Wir waren mit dem Taxi hergekommen, beschlossen aber zurückzugehen. Dabei ging es durch einen schönen Park, entlang eines Sees und durch einen Zoo – weil der Eintritt so günstig war und wir uns einen ewig langen Umweg sparen wollten. Im Nachhinein hätten wir besser den Umweg gehen sollen, da die Tiere wirklich nicht glücklich aussahen und teils komplett isoliert in kleinen Gehegen gehalten wurden.

Naja, allerdings werden wir auch wohl kaum wieder so nah an gefährliche Tiere kommen. Wer wollte, hatte definitiv die Möglichkeit einen Tiger zu streicheln oder sich den Arm von einem Bären abreißen zu lassen. Außerdem litten wir fast an einem Herzinfarkt, als wir einer Schlange inmitten eines Baugebiets ausweichen mussten. Letztendlich hat uns die Wanderung zurück fast den halben Tag gekostet, sie hat uns aber Eindrücke in den Alltag der Familien verschafft, die wir nicht hätten missen wollen.

Metropole Yangon: Pagode

Die Metropole Yangon – eine Reise wert?

Yangon ist Treffpunkt verschiedener Kulturen und Gemeinschaften. Die kulturelle Diversität ist heute vor allem auf den Straßen zu sehen. Ein bunter Mix aus indischen, chinesischen und burmesischen Einflüssen wohin man nur blickt.

Die Stadt ist definitiv eine Reise wert. Wer noch nie in Myanmar war, kann sich hier gut an das Land gewöhnen, bevor es weiter in abgelegendere Gegenden geht. Auf jeden Fall sollte der Markt, das Ufer des Irawady und selbstverständlich die Shwedagon Pagode auf dem Programm stehen.

Schreibe einen Kommentar