Mandalay & ein Abstecher nach Pyin Oo Lwin

Mandalay

Um nach Mandalay zu gelangen hatten John, mein Reisebuddy, und ich, schon den ein oder andereren Kilometer zurückgelegt. Dazu zählte unter anderem eine rund sieben stündige Fahrt mit dem Zug von Hsipaw in Richtung Süden bis nach Pyin Oo Lwin. Bevor es weiter ins knapp 70 Kilometer entfernte Mandalay gehen sollte, beschlossen wir uns die Gegend etwas genauer anzusehen.

Wir wanderten eine gute halbe Stunde durch die 200.000 Einwohner große Stadt, bis wir unser Hotel erreichten, nur um festzustellen, dass wir für einen anderen Zeitraum gebucht hatten. Irgendwann konnten wir dem Besitzer aber doch erklären, dass wir schon gerne für heute ein Zimmer haben wollen würden.

Mit einem Zwischenstopp in Pyin Oo Lwin nach Mandalay

Es stellte sich recht schnell raus, dass unser Besuch in Pyin Oo Lwin einer Zeitreise glich. Die 80er Jahre waren wohl gerade hier angekommen – mit all den grellen Erscheinungen, die sie mit sich brachten. Unser Zimmer war geschmückt mit bunten Tapeten mit viel zu auffälligen Mustern, Decken und Kissen in allen Farben und Möbelstücken, die an Omas Einrichtung erinnerten.

Wieder einmal entschlossen wir uns Fahrräder als Transportmittel zu nehmen, um die Gegend zu erkunden. Unser erster Stopp war eine Rollschuhlaufbahn. Dutzende Jugendliche fuhren hier in schrillen Outfits umher. Wir konnten uns kaum dazu bringen weiterzufahren, da die gesamte Situation immer mehr einer Reise zurück in die 80er Jahre glich und wir uns vor Lachen kaum auf den Fahrrädern halten konnten. Wie sich nach ein wenig Recherche herausstellte, gehört Rollschuhfahren aber nicht zu den Top Sportarten des Landes und wir sind wohl echt durch einen großen Zufall auf den Ort gestoßen. Ein Glück, dass wir so gut wie nie checken, wo wir hinfahren und einfach losradeln.

Pyin Oo Lwin
Eine der Kutschen in Pyin Oo Lwin
Pyin Oo Lwin
Reges Treiben auf dem Markt

Ein ungewöhnliches Mittagessen mit Britney Spears

Die Straßen von Pyin Oo Lwin waren außerdem gefüllt mit Pferden, die bunte Kutschen hinter sich zogen. Wir stoppten bei einem kleinen Restaurant, nur um festzustellen, dass die Besitzer einen kompletten Schrein Britney Spears gewidmet hatten, während der Rest eher ein Mix aus Oma‘s besten Möbeln inklusive Häkeldecken und buddhistischem Tempel glich. Unser Essen wurde von einem übertrieben reich aussehenden Mann gezahlt, der ebenfalls im Restaurant saß und einen modernen sowie getunten Pickup Truck fuhr. Das dieser Typ sein Geld nicht nur mit legalen Aktivitäten verdiente, konnte man ihm und seinen mit Goldringen und Juwelen besetzten Fingern schon ansehen. Wir beschwerten uns allerdings nicht über das gratis Essen und bedankten uns, bevor es weiter ging.

Pyin Oo Lwin: Zu Hause von Parks und Gärten

Ein wenig außerhalb der Stadt stießen wir auf wunderschöne Parks, botanische Gärten und Seen, Erdbeerfelder und schöne Cafés. Die Stadt ist eine wichtige Umschlagstelle für den rapide wachsenden Kaffeemarkt des Landes. In Pyin Oo Lwin haben sich über die Jahre mehrere Röstereien angesiedelt. Außerdem wird dort im großen Stil Seide hergestellt. Rund um die Stadt befinden sich riesige Plantagen voller Maulbeerbäume, welche das zu Hause von Seidenraupen sind. Ihre Kokons sind die Grundlage der Produktion von Seide. Zudem ist die Stadt bekannt dafür, dass viele Pflanzen zum Gebrauch in der Pharmazie angebaut werden.

Uns wurde hier wirklich ein ganz neues Bild dieses Landes vermittelt. Da es aber ansonsten nicht gerade viele Attraktionen in der Umgebung gab, beschlossen wir am nächsten Tag weiter nach Mandalay zu fahren. Dazu baten wir unseren Gastgeber darum einen Transport zu organisieren in der Hoffnung, dass er uns richtig verstand.

Mandalay
Gold wohin das Auge reicht

Auf nach Mandalay

Am nächsten Morgen hielt dann schließlich ein heruntergekommenes Taxi vor unserem Hotel. Der Beifahrersitz war bereits von einer schlanken, jungen Frau besetzt. Johnny und ich machten es uns also auf der Rückbank gemütlich. Das hielt aber nicht lange. Schon ein paar Straßen weiter sammelten wir einen stark übergewichtigen Herren ein, der sich weigerte neben mir zu sitzen, sodass der breit gebaute Johnny sich in die Mitte quetschen musste.

Auch die schlanke Frau, neben der die Fahrt mit Sicherheit deutlich angenehmer gewesen wäre, machte keine Anstalten den Platz zu wechseln. Schon vor dieser Fahrt war uns bewusst, wie abhängig viele der Einwohner vom Kauen von Betelnüssen waren. Aber der Mann im Taxi eröffnete ein ganz neues unbekanntes Level für uns. Er hatte eine leere halbe Liter Flasche dabei, in die er ständig eine rote Masse hineinspuckte.

Zwei Stunden später erreichten wir Mandalay und wurden direkt vor unserem Hotel an einer viel befahrenden Hauptstraße rausgelassen. Das Hotel war recht modern und eine nette Abwechslung zu unseren vorherigen Unterkünften. Sogar ein Fernseher war im Zimmer und wir hatten ein eigenes Badezimmer. Etwas, dass keine Selbstverständlichkeit in Hotels des Landes ist. Und wir konnten die Tür zum Zimmer komplett öffnen! Wirklich interessant wie schnell sich Ansprüche ändern.

Was macht Mandalay aus?

Hinter Yangon ist Mandalay mit etwa 1,7 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Landes. Gelegen direkt am Irawadi gilt die Stadt als der wichtigste wirtschaftliche Handelspunkt im Norden des Landes. Kulturell ist die Stadt recht divers dank der vielen Einwanderer aus China und Indien, die von dem Handel angezogen wurden.

Außerdem ist die Stadt bei Touristen recht beliebt, da sie in unmittelbarer Nähe zu Bagan liegt und religiöses Zentrum des Landes ist. Es gibt in der Stadt mehr als 700 Pagoden, mehrere Klöster und sie ist Inhaber des größten Buches der Welt. Dabei handelt es sich genau genommen nicht um ein Buch. Die gesamte Inschrift des Pali Kanon, das wohl wichtigste Buch des Theravada Buddhismus wurde auf 729 Steintafeln gemeißelt. Jede einzelne von ihnen ist in ihrer eigenen weißen Stupa untergebracht und liefert ein wirklich beeindruckendes Bild.

Im Zentrum von Mandalay befindet sich eine Nachbildung des damaligen Königspalastes, der im zweiten Weltkrieg größtenteils zerstört worden ist. Gelegen ist er inmitten von riesigen Steinmauern und umgeben von einem Wassergraben. Das Militär hat hier außerdem ein Gefängnis gebaut und kontrolliert, wer in den Palast eintreten darf. Generell kann das aber so ziemlich jeder, sofern man eine kurze Kontrolle über sich ergehen lässt und den Eintrittspreis von ein paar Euros zahlt.

Vom Königspalast ist es zudem nicht weit bis zum höchsten Punkt Mandalays. In einer Höhe von 230 Metern hat man von dort die beste Aussicht auf die ganze Stadt – sofern man bei 40 Grad im brennenden Sonnenschein diese Wanderung auf sich nehmen möchte. Ganz oben auf dem Hügel befindet sich ein Tempel mit einer riesigen Buddhastatue. Abgesehen von ein paar Mönchen und einigen Affenfamilien waren wir übrigens die einzigen, die sich während der Mittagssonne an die Spitze gewagt hatten.

Mandalay
Der Königspalast
Mandalay
Der goldene Eingang vom Palast

Zwischen Wäschereien und Fitnessstudios

Das woran ich mich jedoch am besten erinnere, wenn ich an Mandalay zurückdenke, ist unser Versuch eine Wäscherei zu finden. Dazu fuhren wir ungelogen stundenlang auf unseren Fahrrädern durch die Stadt. Wir hatten dabei sogar recht schnell eine Straße mit Wäschereien gefunden, allerdings wurde die Kleidung hier mit Hand im bräunlichen Wasser des Irawadi gewaschen, geschrubbt und auf der Straße getrocknet während Kinder und Hunde darüber rannten. Also suchten wir weiter und weiter, bis wir schließlich in einem Vorort eine Frau mit einer Waschmaschine fanden.

Übrigens hätten wir unsere Wäsche auch im Hotel waschen lassen können für ein paar Euros mehr – das wäre aber wohl zu einfach gewesen. Am nächsten Tag mieteten wir uns dann einen Roller in der Hoffnung die kleine Wäscherei wieder zu finden und es gelang uns sogar tatsächlich.

Ein kurzer Abstecher im Fitnessstudio mitten in Mandalay

Auf dem Rückweg stoppten wir bei einem der modernsten Fitnessstudios, die ich je gesehen habe. Auf mehrere Stockwerke verteilt, gab es hier nicht nur neueste Maschinen, sondern auch eine Bar mit Proteinshakes, Yogaklassen und Boxstunden. Etwas, dass wohl keiner von uns hat kommen sehen. Tatsächlich war dies nicht das einzige Studio, das wir ausgetestet haben, während wir in Myanmar waren. Die anderen haben jedoch eher meiner Vorstellung von Fitnessstudios in Myanmar entsprochen.

Am Inle Lake waren ein paar Geräte in einer alten Lagerhalle ohne Boden vertreten, aber auch hier gab es einen extra Raum mit Spiegeln, Matten und allem, was man für Kurse benötigt. Auf dem letzten Platz landet das Fitnessstudio, das wir in Bagan besucht haben. Es ist wohl auch eines der kuriosesten Studios, die ich je betreten habe.

Erst einmal musste man seine Schuhe vor dem Betreten ausziehen, was schon aus Sicherheitsgründen bei dem Umgang mit schweren Gewichten mehr als fraglich ist, ganz abgesehen von der Hygiene. Auf dem einzigen Laufband gab es Leih-Flipflops. Mit diesen ging es dann ans Laufen. Abgesehen davon war das Studio in einem kleinen Schuppen platziert und komplett überfüllt mit Menschen und Maschinen. Trotzdem war es eine lustige Erfahrung und zu meinem Erstaunen waren auch recht viele Frauen vor Ort.

Mandalay
Das größte Buch der Welt

Essen und Trinken in Mandalay

Nach unserem Fitnessstudiobesuch ging es weiter in eine viel zu moderne Juice-Bar. Sie hätte genauso auch irgendwo in New York City platziert sein können. Abgesehen davon, gab es aber nichts dergleichen. Wir besuchten einige Shopping-Centers, bei denen man beim Betreten Angst haben musste, dass diese jeden Moment in sich zusammenstürzen und teils mit zerbrochenen Fensterscheiben geziert waren. Verkauft wurden hier meist auch nur Schmuckstücke und Edelsteine. Also nichts, dass auf meiner Shopping Liste stand oder auch nur ansatzweise in mein Budget gepasst hätte.

Das Essen in Mandalay war seit langem mal wieder etwas durchaus Erfreuliches. Dank der vielen kulturellen Einflüsse aus Indien und China gab es vor allem etwas Abwechslung. Außerdem war es schön auch nach 19 Uhr nach draußen gehen zu können um Abend zu essen und Menschen zu sehen. Das wurde natürlich von uns ausgenutzt! Es war auch schön mal wieder zumindest halbwegs verstanden zu werden und mit anderen Touristen vereint zu sein.

Von Mandalay nach Mingun

Am darauffolgenden Morgen stand ein Tagesausflug mit dem Boot nach Mingun, welches in elf Kilometern Entfernung nördlich der Millionenstadt gelegen ist, auf dem Plan. Mingun ist unter anderem bekannt für dessen Tempel, der nie fertiggestellt wurde. Der Bau begann 1790 im Auftrag von König Bodawpaya. Er sollte (übertriebenen Maßen) bis von China aus gesehen werden können und eine Höhe von 150 Metern haben.

Der Bau wurde aber nie fertiggestellt, da ein Astrologe dem König voraussagte, dass er sterben würde, sobald dies geschehe. Auch wenn das Bauwerk nie vollendet wurde, ist es enorm bewundernswert und groß und trotzdem ist König Bodawpaya gestorben. Aufgrund eines starken Erdbebens 1839 ist der Tempel heute von großen Rissen geziert. Außerdem wurde für den Turm des Baus die bis zum Jahr 2000 weltweit größte funktionierende Glocke angefertigt. Sie wiegt stolze 90 Tonnen und ist 3,66 Meter hoch. Nur eine Glocke in China kann dies mit 116 Tonnen noch übertreffen.

Mingun
Mingun

Weiße Elefanten als Zeichen für Macht und Glück

Neben diesen beeindruckenden Attraktionen ist die komplett weiße Hsimbyume Pagoda gelegen. Errichtet wurde sie 1816 von König Bagyidaw, dem Enkelsohn des ehemaligen Königs Bodawpaya in Gedenken an seine verstorbene Frau, Königin Hsimbyume, die den Beinamen „Dame des weißen Elefanten“ trug. Weiße Elefanten gelten in der Kultur des Landes, sowie in vielen Nachbarländern, als Zeichen von Macht und Glück. Jahrtausende hielten Könige sich die Tiere, die keine eigene Rasse sind, sondern schlichtweg Albinos.

In Myanmar gibt es laut Angaben der Regierung derzeit neun weiße Elefanten. Die Militärjunta veröffentlichte stolz 2001 und 2002 welche gefunden zu haben. Die Opposition sah dies als Versuch mehr gläubige Menschen auf deren Seite zu ziehen. Drei der Elefanten werden übrigens in der Nähe von Yangon gehalten, die restlichen in einer Pagode der Hauptstadt des Landes. Schon in frühesten Geschichten im Hinduismus wird von weißen Elefanten berichtet. Sie gehen also sehr weit in die Geschichte der Region zurück. Während sie in Bildern immer als strahlendweiß dargestellt werden, sind sie in Wahrheit eher bräunlich-pink.

Mingun
Taxi?

Mandalay – eine Reise wert?

Definitiv! Wer nach Myanmar reist, sollte sich nicht entgehen lassen, diese Stadt zu besuchen. Besonders unser Tagesausflug nach Mingun ist sehr positiv bei mir in Erinnerung geblieben. Aber auch Mandalay selbst verfügt über beeindruckende Tempelanlagen.

Das Essen in der Stadt und die gesamte Kultur, die damit verbunden ist, hat mich besonders beeindruckt. Am Abend saßen pro Essensstand dutzende von Leuten zusammen, diskutieren oder spielten Karten.

Die Stadt lässt sich super mit dem Fahrrad oder Moped erkunden. Zwar ist sie recht groß, aber alle Attraktionen befinden sich recht nah aneinander.

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