Das Leben der Einbeinruderer vom Inle See

Die Einbeinruderer vom Inle See

Um die Einbeinruderer vom Inle See sehen zu können, hatten mein Reisebuddy John und ich bereits eine dreitägige Wanderung hinter uns gelegt. Wir waren in Kalaw gestartet und wanderten viele Kilometer durch wunderbare Natur fernab der Zivilisation. Unsere letzte Etappe war eine Mountainbike Tour herunter zum Inle See, bevor es nach Tagen endlich eine vernünftige Dusche in Aussicht gab. Aber wir hatten es geschafft: endlich waren wir am See angekommen. Jetzt mussten wir ihn nur noch überqueren, um zu unserem Hotel am anderen Ufer zu gelangen.

Wie wohnen die Einbeinruderer vom Inle See?

Mit einer Größe von 116km² dauerte die Überfahrt trotz des Dieselantriebs unseres Bootes eine Weile. Diese Zeit konnten wir aber bei schönstem Sonnenschein genießen und den Bewohnern bei ihrer täglichen Arbeit über die Schultern schauen. Eine der Besonderheiten dieses Sees ist, dass seine tiefste Stelle gerade einmal bei 3,7 Metern liegt. Im Schnitt ist das Wasser nur 1,5 Meter tief. Die Pegelstände können sich allerdings in der Monsunzeit verdoppeln. Um den See sind viele kleine Dörfer und auch größere Orte angesiedelt.

Der wohl spannendste Wohnsitz ist direkt auf dem See.  Häuser wurden mit Hilfe von im Boden verankerten Bambusstäben im See errichtet. Meist sind hier einfache Bauernfamilien zu Hause, die alles, was sie benötigen selbst anbauen. Sie sind auch oft diejenigen, die seit Generationen als Einbeinruderer arbeiten. Die Gärten befinden sich direkt auf dem Wasser neben ihren Häusern in sogenannten „floating gardens“. Um diese schwebenden Gärten zu kreieren, muss viel Arbeit geleistet werden.

Die Einbeinruderer vom Inle See
Ein Mann bei der Arbeit in den schwebenden Gärten

Was hat es mit schwebenden Gärten auf sich?

Die Bauern sammeln Gräser vom Boden des Sees, verarbeiten sie zu einem stabilen Netz durch verschiedenste Flechttechniken und befestigen sie an Bambusstangen, die wie ihre Häuser am Boden des Sees verankert sind. Die Gärten können so mit den steigenden Wasserpegeln auf und ab gehen. Durch die unmittelbare und ständige Versorgung durch das Frischwasser gedeihen die verschiedensten Obst- und Gemüsesorten hier bestens. Unter anderem werden hier zum Beispiel Tomaten angebaut.

Die Einbeinruderer vom Inle See – wie funktioniert das eigentlich?

Neben den vegetarischen Beilagen aus dem etwas anderen Garten ernähren sich die meisten hier von Fisch. Das traditionelle Fischen ist dabei reine Männersache. Auf ihren langen Booten stellen sich die Fischer ganz an die Spitze. Um das Ruder ist ein Bein geschlungen, das andere Bein steht fest auf dem Boot. So sind die Hände frei, um Netze und Reusen auszuwerfen während mit dem Bein weiter gepaddelt werden kann. Das vermag definitiv ein gutes Gleichgewicht.

Hauptsächlich hat sich diese Technik entwickelt, um eine bessere Sicht aufs Wasser zu haben. Nicht nur Fische können so besser erkannt werden, vor allem kann der Fischer so den vielen Wasserpflanzen besser aus dem Weg gehen. Frauen paddeln ihre Boote übrigens auf herkömmliche Weise. Für längere Distanzen wird das Boot mit einem einfachen Dieselmotor betrieben.

Die Einbeinruderer vom Inle See
Der lokale Marktplatz direkt auf dem See

Welche Tiere sind im Inle See zu Hause?

Der See gilt als zu Hause einiger endemischer Arten wozu 17 Fischarten und ganze 30 Schnecken- sowie eine Krabbenart gehören.

Mit dem Start der schwebenden Gärten und dem Wachstum der damit zusammenhängenden Agrarwirtschaft und vor allem auch dem Tourismus ist der See heute längst nicht mehr das, was er mal war. Allein seine Größe ist in den Jahren von 1935 bis 2000 um über 30% gesunken! Das liegt hauptsächlich an dem enormen Verbrauch von frischem Wasser der riesigen Gartenanlagen und enorm trockenen Phasen.

Die Verschmutzung durch die Dieselmotoren des Wassers ist zudem problematisch, genau wie die unzureichende Abwasserentsorgung der Gegend. Viele Anwohner leiten alles direkt in den See. Durch die Benutzung von mehr und mehr chemischen Stoffen in unseren alltäglichen Hygieneartikeln setzt sich das Wasser komplett neu zusammen und ist heute deutlich anfälliger für Algen. Außerdem drohen künstlich angesiedelte Arten die lokalen zu verdrängen. Insgesamt haben die Tiere im See also mit vielen äußeren Einflüssen zu kämpfen.

Vegetarischer Kochkurs am Inle See inklusive Marktbesuch

Lohnt sich eine Reise zu den Einbeinruderern vom Inle See?

Der See ist ein gutes Beispiel dafür, wie sehr es in unseren Händen liegt, wie die Natur sich innerhalb von nur kürzester Zeit verändern kann. Mittlerweile arbeiten Organisationen daran den Prozess zu verlangsamen und zum Eco-Tourismus überzugehen. Ob und wie sich der See in den nächsten Jahrzehnten verändern wird, wird sich zeigen.

Bei unserem Besuch ist jedenfalls sehr positiv aufgefallen, wie sauber alles war. Im Gegensatz zu vielen anderen Südostasiatischen Ländern schwamm hier keinerlei Plastik durch die Gegend, Das Wasser war sehr schön und klar.

Das Essen in dieser Gegend Myanmars ist übrigens mein Favorit gewesen. Alles schmeckte extrem frisch und intensiv. Wir besuchten am See sogar einen traditionellen Kochkurs, bei der wir lernten Gerichte wie Ingwersalat, Tofu & vieles mehr herzustellen, nachdem wir mit unserer Lehrerin auf dem Markt waren, um alle Lebensmittel einzukaufen. Wer in der Gegend ist, sollte sich diesen kulinarischen Einblick auf keinen Fall entgehen lassen.

Also ja, eine Reise lohnt sich definitiv! Die Einbeinruderer bei ihrer Arbeit zu beobachten war sehr interessant. Niemals würde ich es schaffen mein Gleichgewicht auf eine so elegante Weise wie sie auf der Spitze des Holzbootes halten zu können. Sie sind aber längst nicht die einzige Attraktion. Die Dörfer rund um den See haben viel zu bieten. Vor allem aus kulinarischer Sicht. Es gibt hier sogar ein Weinanbaugebiet. Und wer kann schon zu gutem Essen und Wein nein sagen?

2 Kommentare bei „Das Leben der Einbeinruderer vom Inle See“

  1. […] Wanderung von Kalaw zum Inle See stand für meinen Reisebuddy John und mich ganz oben auf der To-Do Liste. Dafür mussten wir aber […]

  2. […] John und mich. Nach einigen Tagen der puren Entspannung mit Fahrradtouren und extrem gutem Essen am Inle See waren wir bereit für ein neues Abenteuer. Klar war, dass wir gerne noch einmal so etwas erleben […]

Schreibe einen Kommentar