Der Alltag am Schwefelvulkan in Indonesien

Schwefelvulkane in Indonesien: Kawah Ijen

Kawah Ijen ist der wohl bekannteste Schwefelvulkan in Indonesien oder besser gesagt der Welt. Auch wenn das helle blau des Sees inmitten des Vulkankraters sehr einladend aussieht, sollte man dieses auf keinen Fall berühren. Das Wasser, dass sich hier sammelt ist nämlich das säurehaltigste das unser Planet in der Natur zu bieten hat. In der Nacht wüten blaue Flammen am Rande des Sees und Dampf steigt durchgehend vom inneren des Vulkans aus. Ein atemberaubendes und mystisches Bild, dass einem den mühsamen Wanderweg beinahe vergessen lässt.

Wie ist der Schwefelvulkan in Indonesien aufgebaut?

Kawah Ijen liegt in Ostjava, genau genommen in einer langen Gebirgskette. Gelegen ist er in einer sogenannten Caldera. Das ist die Bezeichnung für eine kesselförmige Struktur mit vulkanischem Ursprung. Entstehen tun diese besonderen Landschaften, wenn ein einst riesiger Vulkan ausbricht. Anschließend enstehen Hohlräume unter der Erde, wodurch die Oberfläche instabil wird und schließlich zusammensackt. Die Caldera, in der Kawah Ijen gelegen ist, ist etwa 20km lang. Die Landschaften in den Calderas sind oft geschmückt von mehreren Vulkankratern und auch Seen. Ähnlich wie eben auch beim Kawah Ijen. Er ist einer von insgesamt neun Vulkanen in der Ijen Caldera.

Der indonesische Schwefelvulkan Ijen ist wie auch die anderen Vulkane in dieser Kette ein Stratovulkan. Was diese besondere Art von Vulkanen ausmacht ist folgendes: Ihre Form entsteht nur langsam mit ihren Ausbrüchen. Schichten von Lava und Asche setzten sich abwechselnd ab, sodass ein symmetrischer Krater rund um die Ausbruchstelle entsteht. Der Krater dieser Vulkane kann dabei sehr tief sein. Im Fall von Kawah Ijen genau genommen 300 Meter.

Der See im Krater hat zudem noch einmal eine Tiefe von 180 Metern. An der höchsten Stelle misst der Vulkan stolze 2329 Meter. Um von der höchsten Stelle bis in den Krater zu gelangen ist ein gewissen Talent im Klettern erforderlich. Die Steigung beträgt zwischen 45 und 60 Grad und ist durchzogen von spitzen, herausstechenden Felsen.

Der See im Schwefelvulkun im Osten von Java, Indonesien

Wie wird der Schwefel im Vulkan abgebaut?

Schwefel abzubauen ist eine körperlich sehr extreme Angelegenheit. Aber bevor wir dazu kommen, schauen wir uns erst einmal an, wie der Schwefel überhaupt entsteht: Aus den Tiefen des Vulkankraters treten aus Rissen und Löchern ständig Dämpfe aus. Die Stellen an denen das passiert sind sogenannte Fumarolen. Aus ihnen treten unter anderem Schwefelgas und Kohlendioxid aus.

Die Temperaturen der aussteigenden Gase befinden sich normalerweise bei zwischen 195 und 240 Grad Celsius. Steigen sie extrem an, ist davon auszugehen, dass der Vulkan vor einer Eruption steht. In dem indonesischen Schwefelvulkan wurden Rohre in die Löcher gesteckt. Durch sie können die Gase kontrolliert abgeleitet werden. Zudem kühlt ein Wassersystem die Gase hinunter, sodass schließlich rotes, flüssiges Schwefel entsteht. Am Ende der Rohre, also an der Oberfläche des Kraters läuft die rote Masse ab und trocknet zu dem gelben Gestein, dass Schwefel ausmacht.

Mit einer Spitzhacke wird die feste Substanz nun in kleinere Brocken gebrochen und ist schließlich zum Transport bereit. Ein Arbeiter trägt etwa 70 bis 90 Kilo pro Marsch in einfachen Bambuskörben auf den Schultern. Dabei muss er erst einmal den steilen Weg zum Rande des Kraters hinauf absolvieren, bevor ein etwa 3 Kilometer langer Wanderweg an den Rand des Gebirges folgt. Gute Arbeiter schaffen täglich zwei dieser Touren, wofür sie bis zu 13 Euro erhalten. Das ist für Indonesien ein recht solider Verdienst.

Wie entsteht das blaue Feuer im Schwefelvulkan?

In der Nacht kann man erkennen, wie strahlendblaue Flammen aus den Löchern des Kraters stechen. Dieses Phänomen entsteht immer dann, wenn die Temperaturen des flüssigen Schwefels es zulassen. Die Ströme des giftigen Stoffes fließen dabei meist in den hellblauen Vulkansee, wo sie rasant abgekühlt werden. Dadurch entsteht zusätzlicher Dampf zu den Abgasen, die aus den Löchern austreten. Der Schwefelvulkan in Indonesien ist übrigens nicht der einzige, an dem die blauen Flammen begutachtet werden können. Auch im Yellowstone Nationalpark sind sie zu sehen. Die Flammen entstehen außerdem bei jedem Vulkanausbruch, sie sind nur üblicherweise nicht permanent.

Einer der Arbeiter vom Schwefelvulkan in Indonesien

Die Arbeiter im größten Schwefelvulkan von Indonesien

Dass die Arbeiter im größten Schwefelvulkan Indonesiens harte Arbeit leisten, steht völlig außer Frage. Viele von ihnen arbeiten sechs Tage die Woche, um ihre Familien finanziell unterstützen zu können. Ständig ausgesetzt sind sie dabei den giftigen Gasen, die aus dem Krater emporkommen. Geschützt sind die Arbeiter oft nur im Geringsten. Die meisten, die ich bei meiner Erkundungstour kennen gelernt habe, liefen in einfachsten Outfits umher. Einer von ihnen trug sogar ein Trikot der deutschen Fußball Nationalmannschaft als Schutzkleidung.

Während ich selbst mit meiner Gasmaske Probleme hatte, im Krater Luft zu bekommen, standen die Arbeiter meist nur mit einem Tuch vor dem Mund direkt in den Abgasen. Es ist wohl kaum nötig zu erwähnen, dass die meisten von ihnen diesen Job nicht für lange Zeit ausüben können. Der Verdienst ist wohl das Einzige, was die jungen Männer rund um den Kawah Ijen jeden Morgen motiviert den Schwefel abzubauen. Die Lebenserwartung der Arbeiter sinkt täglich durch das Einatmen der gefährlichen Gase.

Wofür wird der Schwefel von den Vulkanen in Indonesien genutzt?

Schwefel ist ein fester Stoff und in dieser Form ungiftig und geruchlos. auch wenn das stechende Gelb etwas anderes vermuten lässt. Außerdem ist er nur schwer wasserlöslich, was seine Lagerung erleichtert und ihn zu einem beliebten Stoff in der Industrie macht.

Der Schwefel, der unter anderem in den Vulkanen von Indonesien abgebaut wird, wird zum Beispiel in unserer Kosmetik und Medizin verwendet. Oft zu finden ist er in Salben, Gelen und Seifen. In der Homöopathie gehört Schwefel zu den 14 wichtigsten Grundsubstanzen. Darüber hinaus wirkt es fungizid. Schwefel kann also Parasiten abtöten.

Das sogenannte Schwefeln ist außerdem eine beliebte Konservierungsmethode, die zum Beispiel bei der Weinproduktion oder auch beim Herstellen von Trockenobst genutzt wird. Zudem ist Schwefel Bestandteil von Schwarzpulver und Feuerwerkskörpern.

Mehrere Arbeiter direkt vor den giftigen Gasen des Schwefelvulkans

Schwefelvulkane in Indonesien: Eine Reise wert?

Wer in Ostjava unterwegs ist, sollte unbedingt einen Abstecher ins Ijen Plateau machen. Selbst von Bali aus werden mittlerweile organisierte touristische Trips zu den aktiven Vulkanen angeboten. Natürlich kann man aber auch alles auf eigene Faust organisieren und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln von Bali oder Yogyakarta bis nach Banyuwangi gelangen. Von dort aus bieten einige Familien Taxiservice zum Startpunkt der Wanderung an. Wer pünktlich vor dem Sonnenaufgang am Krater sein will, um die blauen Flammen beobachten zu können, muss seine Wanderung meist schon um Mitternacht starten.

Für mich selbst war dieser Ausflug einer, den ich so schnell nicht vergessen werde. Die Wanderung durch eine Landschaft, die an die Mondoberfläche erinnert, das blaue Feuer, das unter den Sternen loderte und das Stechen in den Augen von den Gasen, sind nur einige der Dinge, die mir im Kopf geblieben sind.

Die Arbeiter bei ihrem extrem harten Alltag beobachten zu dürfen war für mich wohl das bemerkenswerteste. Ich bewundere sehr, was sie jeden Tag leisten, um ihre Familien zu ernähren und um uns mit Schwefel zu versorgen.

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